Wie familienfreundlich sind unserere Kölner Arbeitgeber?

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für dich aktuell oder in Zukunft ein wichtiges Thema und du fragst dich, welche Möglichkeiten du als Arbeitnehmer hast? Ein Blick in die Statistik zeigt uns die aktuellen Entwicklungen und die konkreten Anforderungen, die Unternehmen erfüllen müssen, um als „familienfreundliche Kölner Arbeitgeber“ wahrgenommen zu werden.

Ein Blick in die Statistik

Laut einer Studie ist die Zahl derer, die im Beruf lieber kürzer treten, um mehr Zeit für die Familie zu haben, zwischen 2013 und 2017 um knapp 2 Millionen auf 14,49 Millionen gestiegen (Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse: AWA 2017). Diese Entwicklung fordert auch von unseren Arbeitgebern ein Umdenken. Daher stellt sich die Frage, welche Arbeitsbedingungen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern und welche sie erschweren. Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wurden Hochschulabsolventen des Jahrgangs 1997 zehn Jahre nach ihrem Abschluss dazu befragt.

Neben der gut organisierten Kinderbetreuung sind den Befragten vor allem Arbeitsbedingungen wichtig, die maßgeblich vom Arbeitgeber zu beeinflussen sind:

  • Möglichkeit zur Teilzeitarbeit
  • Flexible Zeiteinteilung
  • Möglichkeiten zur Arbeit von zu Hause aus
  • Sicherung des Wiedereinstiegs in den Beruf

Obwohl es zwischen Männern und Frauen Unterschiede in der Gewichtung der Kriterien gibt, zeigt sich dennoch deutlich, dass die erschwerenden Faktoren vor allem in folgenden Bereichen liegen:

  • Hohe berufliche Belastung beim Befragten selbst oder dem Partner/ der Partnerin
  • Schwierigkeiten, geeignete Teilzeitstellen zu finden
  • Fehlende Betreuungsangebote für Kinder
    (Quelle: G. Fabian/K. Briedis, 2009)

Welche Anforderungen ergeben sich daraus für die Unternehmen? Und worauf kannst du bei der Auswahl eines familienfreundlichen Unternehmens achten?

Flexibilität

Die Statistik zeigt uns, dass vor allem eine flexible Zeiteinleitung ein wichtiges Kriterium dafür ist, ob Familie und Beruf miteinander vereinbar sind. Teilzeitarbeit und Gleitzeit sind dabei zwei relevante Kernbegriffe. Denn wenn das Kind krank wird, kurzfristig die Betreuung ausfällt oder der Kindergarten für einen Arbeitsbeginn um 8 Uhr zu spät öffnet, bietet ein flexibles Arbeitszeitmodell eine gute Möglichkeit für einen stressfreien Familienalltag.

Insbesondere das Teilzeitmodell ist für junge Eltern interessant, um den fachlichen Anschluss nicht zu verlieren oder um nach der Elternzeit einen guten Wiedereinstieg in das Berufsleben zu finden.

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Quelle: pixabay | Free-Photos

Homeoffice

Arbeiten und trotzdem in Rufbereitschaft für die Familie sein? Auch das geht. Viele Tätigkeiten sind dank Internet und mobiler Kommunikation nicht an einen konkreten Arbeitsplatz gebunden. Für Eltern bietet sich hier die Möglichkeit, weiterhin ihrer beruflichen Tätigkeit nachzugehen, ohne zu große Einschränkungen im Familienleben in Kauf nehmen zu müssen.

Wer zum Beispiel an ein oder zwei Tagen in der Woche zu Hause arbeitet, kann familiäre Angelegenheiten leichter planen und den Partner oder die Partnerin in der Kinderbetreuung unterstützen. Auch für den Wiedereinstieg in den Beruf bietet sich das Homeoffice an.

PRAXISTIPP

Suche gemeinsam mit dem Arbeitgeber nach Lösungen, um dich nicht zwischen Beruf und Familie entscheiden zu müssen! Dank moderner Technik ist heutzutage Vieles möglich.

Betreuungsangebote

Der Blick in die Statistik hat uns gezeigt, dass fehlende Betreuungsangebote oft eine große Hürde für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf darstellen. Betriebsintern organisierte Betreuungsangebote stellen hierbei eine ausgezeichnete Möglichkeit dar, um die Kinderbetreuung für alle Beschäftigten soweit wie möglich zu vereinfachen. Auch Zuschüsse für die Inanspruchnahme externer Betreuungseinrichtungen können für junge Eltern eine große Erleichterung sein und sind ein Kriterium dafür, ob der Arbeitgeber als familienfreundlich wahrgenommen wird.

Weiterbildungsangebote

Die Elternzeit kann sowohl für den Betrieb, als auch für die jungen Eltern ein Risiko darstellen. Denn der Anschluss an den Beruf und den Betrieb geht verloren und der Wiedereinstieg gestaltet sich schwieriger. Daher bieten Weiterbildungen während der Elternzeit eine gute Möglichkeit, den Kontakt zu wahren und die beruflichen Qualifikationen auf dem neusten Stand zu halten.

Zertifizierte Familienfreundlichkeit

Das Gütesiegel „Familienfreundlicher Arbeitgeber (DIQP)“ wird an Unternehmen verliehen, die Familienfreundlichkeit an alle Mitarbeiter kommunizieren und dieses familienorientierte Engagement auch im betrieblichen Alltag leben. Beurteilt wird ein Unternehmen anhand der Ergebnisse unterschiedlicher Befragungen auf Mitarbeiterebene und Führungsebene. Sowie auf Grund einer Prüfung der Unternehmenskultur, Planung, Personalentwicklung und betriebsinternen Kommunikation (Deutsches Institut für Qualitätsstandards- und prüfung e.V.).

Auch andere externe Berater bieten Zertifizierungen an, die von Unternehmen zunehmend genutzt werden. Das Ziel besteht darin, die Familienfreundlichkeit zu objektivieren und als Attraktivitätsbonus an potentielle Bewerber zu kommunizieren.

Mit dem Projekt „Familienfreundliche Kölner Gewerbegebiete – Wir sind dabei“ ergreift die Stadt Köln aktiv Maßnahmen, um die Familienfreundlichkeit der Kölner Arbeitgeber zu fördern. Das Pilotprojekt fand von Mai 2009 bis Mai 2011 im Gebiet „Am Butzweilerhof“ statt. Die 2. Projektphase von Oktober 2012 bis November 2014 konzentrierte sich auf Unternehmen in den Gewerbegebieten Bickendorf/Braunsfeld, Gremberghoven und Marsdorf.  Die teilnehmenden Unternehmen wurden für Ihr Engagement und Familienbewusstsein ausgezeichnet.

Darunter waren zum Beispiel die Explicatis GmbH (Kölner Spezialist für Anwendungssoftware und IT-Beratung) und der Automobilhersteller Toyota Deutschland und das Mercure Hotel Köln West.

PRAXISTIPP

Informiere dich über die angegebenen Zertifizierungen und überprüfe die dahinterstehenden Kriterien.

Eine Frage der Perspektive

Wenn es um die Beurteilung der Familienfreundlichkeit eines Unternehmens geht, ist oft die Perspektive von großer Bedeutung. Denn die Beurteilung der Arbeitnehmer kann sich mitunter stark von der Selbsteinschätzung des Unternehmens unterscheiden. Zu dieser Erkenntnis kommt eine Umfrage im Auftrag des Bundesfamilienministeriums aus dem Frühjahr 2017.

So halten sich 84 Prozent der befragten Arbeitgeber für eher familienfreundlich, knapp die Hälfte gibt sogar an, sehr familienfreundlich zu sein. Leider ergibt sich aus Sicht der Arbeitnehmer ein deutlich schlechteres Bild: nur ein Viertel der Arbeitnehmer beurteilt ihren Arbeitgeber als sehr familienfreundlich. Ein Drittel gibt sogar an, wenig oder keine Familienfreundlichkeit zu erleben.

Zusammenfassung – familienfreundliche Kölner Arbeitgeber

Ob du dein Unternehmen als familienfreundlich erlebst oder eher nicht, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Stelle dir daher die Frage, welche Anforderungen dein Familienleben an dich und deinen Beruf stellt. Suche gemeinsam mit deinem Partner und dem Arbeitgeber nach Möglichkeiten, bestehend Probleme – zum Beispiel hinsichtlich der Kinderbetreuung oder der Arbeitszeiten – zu lösen.

Statistiken geben uns eine grobe Orientierung, doch letztendlich ist eine offene Kommunikation und gegenseitige Toleranz das entscheidende Kriterium dafür, ob die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gelingt.

Die Stadt Köln kommt nach einer Umfrage aus dem Jahr 2007 zu dem Ergebnis, dass wir noch hinter dem deutschlandweiten Trend liegen. Doch über 30 Prozent der Kölner Unternehmen arbeiten aktiv am Ausbau der Familienfreundlichkeit! Daher werden wir in Zukunft immer mehr familienfreundliche Unternehmen in Köln finden!