Gedankenreise: Wer bin ich?

Spätestens beim Lesen einer guten Stellenausschreibung wird deutlich, dass ein Bewerber sich selbst ganz genau kennen muss – so zumindest wird es erwartet. Man geht davon aus, dass du genau weißt, wer du bist und welche Fähigkeiten, aber auch Schwächen du hast. Auf die Frage „Wo siehst du dich in 5 Jahren“ erwartet man von dir eine klare Antwort. Doch das heutige Überangebot an diversen Studiengängen, Ausbildungsplätzen und Berufswegen verwirrt und macht es für Schulabgänger und Berufseinsteiger sehr schwierig, die richtige Entscheidung zu treffen. Wenn auch du eine Orientierungshilfe brauchst, ist dieser Beitrag vielleicht genau der Richtige für dich.

Einführung

Vielleicht stehst du noch am Anfang deiner beruflichen Karriere und fragst dich, wo dein Weg hinführt? Vielleicht zweifelst du an deinem eingeschlagenen Weg und möchtest dich neu orientieren? Es gibt viele gute Gründe dafür, die spannendste aller Reisen anzutreten: Die Reise zu dir selbst.

Unser heutiger „Reiseführer“ wird dich gedanklich durch eine Reihe von wichtigen Fragen führen, die dir dabei helfen, deine eigenen Talente und Ziele zu erkennen. Als Souvenir deiner Reise wirst du viele wichtige Erkenntnisse über dich selbst mitbringen. Am Ende dieses Abenteuers weißt du bestimmt besser, was du möchtest und wohin dein Weg führen soll.

#1 Kopf oder Bauch – Wie bin ich?

Ganz zu Beginn möchten wir dich zu einem kleinen Experiment einladen: Stelle dir vor, du stehst dir selbst gegenüber. Was siehst du? Welche Regelmäßigkeit entdeckst du, wenn du dich einen Tag lang oder sogar für eine Woche begleitest. Diese Übung wird dir viel bringen, da wir ganz alltägliche Dinge oft vergessen. Wir halten sie für völlig normal. Doch sind sie das wirklich?

PRAXISTIPP

Hinterfrage dich kritisch und beobachte dein Verhalten objektiv.

Im nächsten Schritt tauchst du wieder in dich hinein und betrachtest nun auch deine Gedanken und Gefühle, die dich jeden Tag begleiten. Welche Emotionen sind bei dir besonders stark und häufig ausgeprägt? Wie reagierst du auf bestimmte Situationen und vor allem warum? Diese Beobachtungen können dir dabei helfen, deine mentale Verfassung zu verstehen und zu beurteilen, wie angemessen deine emotionalen Reaktionen sind.

Wenn du die Erkenntnisse aus beiden Beobachtungen zusammenführst, kannst du herausfinden, ob du eher ein „Kopf-Mensch“ oder ein „Bauch-Mensch“ bist.

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Quelle: pixabay | ElisaRiva

KOPF-MENSCH: Es gibt Menschen, für die vor allem der Verstand zählt. Entscheidungen werden objektiv von allen Seiten betrachtet und ihre Reaktionen sind meist sachlich.

BAUCH-MENSCH: Auf der anderen Seite gibt es Menschen, für die das Gefühl und die Intuition wichtiger sind, als Fakten. Sie machen Entscheidungen oft von zwischenmenschlichen Beziehungen abhängig und reagieren auf Situationen emotionaler als „Kopf-Menschen“.

Doch nichts davon ist richtig oder falsch. Hierbei geht es vielmehr darum herauszufinden, wie du bist. Denn du wirst feststellen, dass Kopf-Menschen häufig in der Wirtschaft und Technik zu finden sind, während Bauch-Menschen ihre Berufung häufig im Sozialwesen oder in der Kunst sehen.

Kopf oder Bauch – wie bist du?

#2 Die Reise geht weiter: Was kann ich?

Du hast nun bereits einen wichtigen Schritt geschafft. Doch in welche Richtung du gehen wirst, hängt auch maßgeblich von deinen Talenten und Begabungen ab. Denn nicht alle Fähigkeiten, die du im Berufsleben brauchst, kannst du erlernen. Wer vom Maler-Dasein träumt, aber schon zu Kindergartenzeiten mit Buntstiften nicht viel anzufangen wusste, sollte seine Ziele vielleicht noch einmal überdenken.

Welche Grundfähigkeiten brauchen wir für welches berufliche Ziel? Um dir zu zeigen, was genau hier gemeint ist, zeigen wir dir nun einige typische Beispiele:

  • Du brauchst künstlerische Begabung als Maler,
  • eine gute räumliche Orientierung als Architekt,
  • mathematisches Grundverständnis als Naturwissenschaftler,
  • Sprachbegabung und Schreibtalent als Autor oder Journalist,
  • Rhythmusgefühl und ein gutes Gehör als Musiker,
  • einen Blick für ästhetische Formen und spannende Details als Fotograf.

Welche Beispiele fallen dir noch ein? Und wie sieht es bei deinem Traumberuf aus? Welche Fähigkeiten solltest du dafür mitbringen?

PRAXISTIPP

Betrachte deinen Berufswunsch objektiv und frage auch Andere danach, welche Fähigkeiten als grundlegend vorausgesetzt werden. Vergleiche diese Erkenntnisse mit deinen individuellen Talenten. Je größer die Übereinstimmung, desto eher wirst du in diesem Beruf erfolgreich sein!

# 3 Ausblick: Kompetenzcheck

Wieder hast du eine große Wegstrecke zurückgelegt. Jetzt heißt es innehalten, sich umschauen und den Ausblick genießen. Nimm dir einen Augenblick Zeit, um die Details festzuhalten.

Stell dir vor, du hast dein Ziel erreicht. Du sitzt an deinem Schreibtisch – stehst vor der weißen Leinwand, sitzt im Orchestergraben oder reist mit der Kamera um die Welt, was auch immer du dir vorstellst – was musst du können? Welche Kompetenzen brauchst du, um deine Aufgabe erfolgreich zu meistern?

Hierzu gehören bei allen Berufen praktische Skills und theoretisches Hintergrundwissen. Nur die perfekte Mischung führt zu guten Ergebnissen. Der Naturwissenschaftler muss die theoretischen Konstrukte kennen, aber auch in der Lage sein, genau zu präparieren und sicher mit einem Mikroskop umzugehen. Die Gesundheits- und Krankenpflegerin muss vor allem praktisch vielfältige Kompetenzen beweisen und dabei stets auf dem aktuellen fachlichen Stand sein. Selbst Künstler kommen nicht ohne Theorie aus.

Wie ist es bei dir? Welche Kompetenzen hast du bereits erworben oder möchtest du noch erwerben? Wieviel Kraft und Zeit möchtest du investieren, um bestimmte Dinge zu lernen? Natürlich kannst du deine Suche auch von er anderen Seite aus durchführen: Welche Kompetenzen erfordert dein Traumberuf?

PRAXISTIPP

Schreibe Checklisten und vergleiche diese miteinander! So kannst du objektiv beurteilen, was zu dir passt oder wie realistisch dein Traum ist.

Genau so, wie bereits beschrieben, kannst du dich auch mit den Anforderungen einer gesamten Branche auseinandersetzen, wenn du noch keinen spezifischen Beruf vor Augen hast oder nur eine grobe Richtung finden möchtest.

# 4 Kartenlesen: Wo möchte ich arbeiten?

Die Technik funktioniert nicht immer, wie gewollt und plötzlich stehen wir hier ohne mobiles Navigationsgerät. Nun wird es Zeit, die große Papierkarte zu entfalten und herauszufinden, wie wir von A nach B kommen.

Was ist daher nun deine erste Aufgabe? Die Standortbestimmung.
Schaue dir deinen aktuellen Lebensmittelpunkt an.

Gefällt er dir?
Was macht ihn besonders?
Oder was würdest du gerne ändern?

Viele Menschen fühlen sich mit ihrer Heimat verbunden und möchten in der Nähe der Familie bleiben. Andere zieht es in die Natur oder in die Stadt. Wieder Andere möchten möglichst viele verschiedene Orte sehen. Mache dir bewusst, was du brauchst, um erfolgreich und glücklich zu sein.

Denn erst wenn du dir darüber bewusst bist, kannst du deinen Zielort bestimmen: Wo willst du hin?
Welche Voraussetzungen muss dein perfektes Ziel erfüllen?
Und wie kommst du dorthin?

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Quelle: pixabay | Felix_Broennimann

PRAXISTIPP

Nur wer weiß, wo er steht und wo er hin möchte, kommt erfolgreich und auf direktem Weg an sein Ziel. Versuche daher zu benennen, was dir beim Standort wichtig ist und finde heraus, wo du am liebsten arbeiten möchtest.

# 5 Solotour oder Gruppenreise?

Bei deiner Reise musst du auch entscheiden, ob du dich lieber alleine durchbeißt, oder dich unter Mitreisende mischst. Finde für dich selbst heraus, wie du dich am wohlsten fühlst. Bist du Einzelkämpfer oder Teamplayer?

Einzelkämpfer können sich selbst gut motivieren. Sie arbeiten diszipliniert nach ihren eigenen Methoden und lassen sich ungern stören. Die Umsetzung ihrer eigenen Ideen ist Ihnen wichtig.

Teamplayer benötigen kommunikativen Input, um erfolgreich zu arbeiten. Sie nutzen das Potential mehrerer Menschen, um daraus ein gemeinsames Werk zu schaffen. Teamplayer sind bereit, Kompromisse einzugehen und sich anderen unterzuordnen.

PRAXISTIPP

Nutze Erfahrungen aus früheren Team- und Einzelarbeiten. Wobei warst du besonders erfolgreich? Wie konntest du bisher am besten arbeiten?

Dieser kurze Ausflug wird dir dabei helfen, herauszufinden, welches Arbeitsklima für dich wichtig ist. Bei wem und mit wem möchtest du arbeiten? Informiere dich darüber, wie in den verschiedenen Branchen und Firmen gearbeitet wird.

# 6 Sightseeing: Die Anderen sehen

Du kennst dich selbst inzwischen sehr gut. Doch wie sieht es bei den anderen aus? Heute werden wir uns beim Sightseeing die Anderen ansehen. Wer sind „die Anderen?“ Es sind zum Beispiel deine Mitbewerber oder die Absolventen aus deinem Jahrgang. All diejenigen, die genau die gleichen Ziele haben, wie du.

Um dich am Markt erfolgreich behaupten zu können, ist es hilfreich zu wissen, was dich von den Anderen unterscheidet. Schaue dir dazu die Stärken und Schwächen der Anderen an. Welche Kompetenzen haben Sie? Welche Grundvorraussetzungen bringen Sie mit? Sind es Kopf-Menschen oder Bauch-Menschen? Welche Ziele haben Sie?

PRAXISTIPP

Analysiere deine Mitbewerber so, wie du es bei dir selbst auch getan hast und finde heraus, wo es Unterschiede gibt.

Unterschiede können dabei sowohl positiv als auch negativ sein. Was kannst du besser? In welchen Bereichen hast du Nachholbedarf? Welche Schwächen musst du dir eingestehen?

Hier möchten wir dir einen Rat mit auf den Weg geben: Schwächen sind nichts Schlechtes. Niemand kann alles. Und das ist auch gut so, denn so können wir uns ergänzen, voneinander lernen und individuell sein. Das Wichtige dabei ist, zu seinen Schwächen und Fehlern zu stehen.

# 7 Brücken bauen: Meine sozialen Kompetenzen

Du bist nun fast am Ende deiner Reise angelangt. Du hast viel gelernt und hoffentlich das ein oder andere Souvenir mitgebracht und freust dich auf die Heimkehr. Doch es gibt noch ein letztes Hindernis zu überwinden: Den Fluss des Alltags. Ein Hindernis, dass du nun entweder mühsam umgehen kannst, oder über das du eine Brücke baust.

Jeden Tag werden wir mit unterschiedlichen sozialen Situationen konfrontiert. Nicht jede dieser sozialen Begegnungen ist einfach und erfreulich. Doch mit guten sozialen Kompetenzen kannst du Brücken bauen und leichten Fußes durch deinen Tag gehen.

  • Du kannst gut zuhören?
  • 
Es ist für dich selbstverständlich, Andere ausreden zu lassen?
  • Du kennst die ungeschriebenen Gesetze der Höflichkeit?
  • Teamarbeit gelingt dir gut?
  • Toleranz und Rücksichtnahme sind für dich selbstverständlich?
  • Du kannst dich anpassen, wenn es erforderlich ist?
  • Du hältst Zusagen ein?

Je mehr dieser Eigenschaften du beherrschst, desto leichter wird es für dich sein, im täglichen Umgang mit anderen Menschen erfolgreich zu sein. Und je besser dir das gelingt, desto eher eignet sich für dich eine Tätigkeit, bei der du viel Kontakt mit Menschen hast.

PRAXISTIPP

Finde heraus, wie gut deine soziale Kompetenzen sind. Wenn du dir nicht sicher bist, probiere es einfach aus. Lasse Telefon und E-Mail hinter dir und gehe hinaus in die Welt.

Zusammenfassung

Willkommen zu Hause. Deine Reise ist beendet und du darfst dich nun über viele wertvolle Erkenntnisse freuen. Denn du weißt nun, wie du bist und was dir wichtig ist. Du kennst deine Stärken und Schwächen und weißt, ob deine beruflichen Träume realistisch sind, beziehungsweise in welche Richtung es für dich gehen könnte. Du kennst den Markt und weißt, an welchen Stellen du noch an dir arbeiten kannst.
Wir empfehlen dir, dich von Zeit zu Zeit erneut auf diese Reise zu begeben, denn du wirst feststellen, dass sich einige Dinge verändern.

Wir wünschen dir auf deinem Weg viel Erfolg und hoffen, dass du mit unserem kleinen Reiseführer sicher an dein Ziel kommst.