Der Arbeitsvertrag

Die Vorstellungsgespräche sind erfolgreich beendet und der perfekte Bewerber gefunden. Die letzte Hürde vor der erfolgreichen Zusammenarbeit stellt der Arbeitsvertrag dar. 

Was muss rein, was ist verhandelbar?
Diese Fragen wollen wir heute mit einer einfachen Checkliste klären.

#1-Die wichtigsten Grundlagen

Die mündliche Zusage

Nach dem Vorstellungsgespräch wurde bereits mündlich von beiden Parteien eine Einigung über das Arbeitsverhältnis getroffen. Ist diese mündliche Zusage nun bereits ein gültiger Arbeitsvertrag?

Ja, auch diese Vereinbarung ist bereits rechtsgültig! Ein schriftlicher Arbeitsvertrag ist nicht zwingend notwendig. Doch es gibt einen Grund dafür, weshalb ausschließlich mündliche Arbeitsverträge hierzulande unüblich sind:

Sollte es nämlich zu Streitigkeiten kommen, ist der Kläger in der Beweispflicht. Doch wie beweist man zum Beispiel einen mündlich vereinbarten Stundenlohn? In diesem Fall entscheidet das Gesetz über Lohn und Urlaubstage. Sofern für den ausgeübten Beruf ein gültiger Tarifvertrag existiert, kommt dieser zur Geltung.

Du siehst, in guten Zeiten sind Arbeitsverträge nur bürokratischer Aufwand. In manchen Fällen können Sie jedoch für Arbeitnehmer und Arbeitgeber entscheidend sein.

Praxistipp

Überlege dir auch im Gespräch gut, ob du eine Zusage machst!
Denn auch eine mündliche Vereinbarung ist ein gültiger Arbeitsvertrag!

Vertragsfreiheit

Da wir nun die Bedeutung eines schriftlichen Arbeitsvertrags erkannt haben, stellt sich die Frage, wie er formuliert werden muss. Grundsätzlich besteht in Deutschland Vertragsfreiheit. Das heißt, dass über den Abschluss und die Form eines Arbeitsvertrags recht frei bestimmt werden darf. Einen Rahmen geben dabei nur die Vorschriften des öffentlichen Rechts.

Nach Paragraph 611 des Bürgerliche Gesetzbuch treten nach Abschluss eines Dienstvertrags, zu denen auch Arbeitsverträge gehören, folgende Pflichten ein:

  • Der Arbeitnehmer verpflichtet sich zur Erbringung der vereinbarten Arbeitsleistung.
  • Der Arbeitgeber verpflichtet sich zur Auszahlung der vereinbarten Vergütung.

(§611 BGB, zuletzt geändert durch das Gesetz vom 20.07.2017, BGBI. I. S.2787)

Im Folgenden haben wir für dich eine übersichtliche Checkliste erstellt, mit der du deinen Arbeitsvertrag Schritt für Schritt erstellen oder auf Vollständigkeit überprüfen kannst.

Arbeitsvertrag Checkliste auf jobs-in.koeln

#2 – Die Checkliste für deinen Arbeitsvertrag

1. Arbeitnehmer und Arbeitgeber:

Die erste zentrale Frage stellt sich zu Beginn: wer schließt mit wem einen Arbeitsvertrag? Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen hier eindeutig angegeben werden. Denn im Fall einer Kündigung muss diese durch exakt die angegebenen Personen erfolgen, um rechtsgültig zu sein. Die hier angegebenen Parteien treten in die Erfüllung der Verpflichtungen nach § 611 des Bürgerlichen Gesetzbuches.

2. Beginn des Arbeitsverhältnisses

Dies Angabe bestimmt, ab wann der Arbeitnehmer zur Leistungen verpflichtet wird, die ab diesem Zeitpunkt auch vom Arbeitgeber vergütet werden muss.

3. Arbeitsinhalt

Dieser Abschnitt definiert, über welche Tätigkeit der Arbeitsvertrag geschlossen wird. Dies umfasst sowohl die Beschreibung der Aufgaben, als auch die Darstellung der Inhalte. Eine allgemein gehaltene Formulierung ermöglicht beiden Parteien im Laufe der Vertragslaufzeit eine flexible Gestaltung der Zusammenarbeit.

4. Befristung

Sollte der Arbeitsvertrag befristet sein, so muss auch dies im Arbeitsvertrag festgehalten werden. Fehlt diese Angabe, handelt es sich um einen unbefristete Arbeitsvertrag. Die maximal mögliche Befristung eines Arbeitsvertrags umfasst 2 Jahre. Das genaue Enddatum sollte angeben sein.

5. Probezeit

Es besteht die Möglichkeit einen Probezeit von maximal 6 Monaten anzugeben, um die Eignung zur Zusammenarbeit zu überprüfen. Während der Probezeit gilt eine beidseitige Kündigungsfrist von zwei Wochen.

Praxistipp

Bei bereits erfolgreich absolviertem Praktikum kannst du eine kürzere Probezeit vereinbaren!

6. Kündigungsfrist

Nach Ablauf der Probezeit gilt die hier festgelegte Kündigungsfrist. Diese ist gesetzlich auf mindestens vier Wochen festgelegt. Sobald das Arbeitsverhältnis länger als 2 Jahre besteht, verlängert sich diese Frist auf bis zu 7 Wochen.

Eine Ausnahme stellen Teilzeitverträge da, bei denen – soweit nicht ausdrücklich auf das BGB verwiesen wird – das Teilzeitbeschäftigungsgesetz gilt. Eine Kündigung vor Ablauf der Befristung ist dann nicht möglich.

7. Arbeitsort

Diese Angaben ist vor allem dann wichtig, wenn ein Unternehmen über mehrere Zweigstellen verfügt, oder dem Arbeitnehmer ortsunabhängiges Arbeiten genehmigt wird.

8. Arbeitszeit

Das Arbeitszeitgesetz gibt hier einen gewissen Rahmen vor: Die tägliche Arbeitszeit darf maximal 8 Stunden täglich betragen. Hierbei gilt eine Ausnahmeregelung, nach der unter besonderen Umständen Arbeitszeiten von bis zu 10 Stunden genehmigt sind, sofern dies über die Dauer eines halben Jahres einer durchschnittlichen Arbeitswoche von 40 Stunden mit einer täglichen Arbeitszeit von 8 Stunden entspricht.

9. Vergütung

Hier regelst du, welches Grundentgelt und welche möglichen Zusatzleistungen gezahlt werden. Auch der Tag der Auszahlung sollte festgelegt werden. Der geltende Mindestlohn ist selbstredend zu beachten (Stand Oktober 2017: 8,84€).

Praxistipp

Wer seinen Marktwert kennt, kann hier Verhandlungspotential nutzen.

10. Urlaub

Der Anspruch auf bezahlten Urlaub beträgt bei einer regulären 5-Tage-Woche 24 Werktage. Dabei handelt es sich um eine Mindestgrenze, die individuell erhöht werden kann. Der Arbeitsvertrag schafft hier Klarheit. Achte daher auf eine genaue Angabe.

Auch die Regelung von Betriebsurlaub ist möglich, sofern dem Arbeitnehmer noch ein gewisser Teil des Urlaubs zur freien Verfügung steht. Bis zu 3/5 des Jahresurlaubs als Betriebsurlaub anzusetzen, sind nach dem Bundesarbeitsgericht jedoch zulässig. (BAG, 28.7.1981, 1 ABR 79/79)

11. Krankheit

Dieser Abschnitt regelt, wann der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber eine Erkrankung anzuzeigen hat. Eine Mitteilung muss bereits am ersten Tag der Erkrankung erfolgen, nach spätestens drei Tagen ist eine Krankmeldung vorzulegen. Bei lang andauernder Krankheit muss eine erneute Krankmeldung vorgelegt werden, welche die weitere Krankheitszeit abdeckt.

12. Mehrarbeit

Hier wird festgelegt, ob der Arbeitnehmer im dringenden Fällen Überstunden abzuleisten hat, um wichtige Arbeiten zu beenden. Diese geleisteten Überstunden müssen zur vertraglich geregelten Arbeitszeit verhältnismäßig sein – eine Vergütung ist angebracht. Nicht vergütete Überstunden sind nur dann zulässig, wenn dies im Arbeitsvertrag unter Angabe der Stundenzahl geregelt ist. Eine allgemeine Klausel in dem Sinne, dass alle Überstunden durch den festgelegten Arbeitslohn abgegolten sind, ist unzulässig. (Bundesarbeitsgericht, 17.08.2011, Az. 5 AZR 406/10)

13. Schweigepflicht

Es besteht die Möglichkeit den Arbeitnehmer zur Verschwiegenheit über betriebsinterne Angelegenheiten zu verpflichten. Sollte diese Verpflichtung auch nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses bestehen bleiben, muss dies im Vertrag explizit genannt werden.

14. Nebenberufliche Tätigkeit

Auch die Möglichkeit zur Aufnahme einer nebenberuflichen Tätigkeit sind im Vertrag festzuhalten. In der Regel bedürfen Sie der ausdrücklichen Zustimmung des Arbeitgebers.

15. Sonstige Vereinbarungen

Bei Ausbildungen oder Praktika sind zusätzlich Angaben über den angestrebten Abschluss und die Art der Tätigkeit zu nennen. Auch die Ausstellung eines Arbeitszeugnisses kann, insbesondere bei Praktika, bereits im Vertrag festgelegt werden.

Auch die Nutzung von Dienstwagen, Weiterbildungsmöglichkeiten oder die Unterstützung beim Umzug können im Vertrag geregelt werden.

Beachte! Sollte der Arbeitnehmer, Praktikant oder Auszubildende das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, ist der Vertrag durch einen gesetzlichen Vertreter zu unterschreiben.

Praxistipp

Hier besteht großes Verhandlungspotential! Achte vor allem darauf, dass alle Fragen durch den Vertrag beantwortet werden!

„Pacta sunt servanda“

Einmal geschlossene Verträge sind einzuhalten!

Grundsätzlich gilt bei einem Arbeitsvertrag, alle möglichen Unklarheiten zu beseitigen. Insbesondere für den Arbeitnehmer bestehen Möglichkeiten, bestimmte Bestandteil des Vertrags zu verhandeln. Wer hier überzeugend auftritt und weiß, was er erreichen möchte, hat gute Chancen! Arbeite sorgfältig, denn dann steht einer guten Zusammenarbeit nichts mehr im Wege.