Das Jobinterview

Zu jedem Bewerbungspozess gehört das Jobinterview. Ein Gespräch, bei dem du entscheiden sollst, ob der Bewerber wirklich in dein Unternehmen passt. Doch nicht nur der Bewerber sollte sich gut auf ein solches Gespräch vorbereiten! Auch du musst von Beginn an wissen, welches Ergebnis am Ende des Gesprächs erreicht sein soll. Und damit du genau dieses Ziel erreichst, haben wir für dich einen praktischen Leitfaden entwickelt.

#1 – Das Bewerbungsgespräch: Grundlagen

Bewerber prüfen, aussortieren, entscheiden? Falsch. Denn auch der Bewerber entscheidet sich im Laufe des Gesprächs, ob du als Arbeitgeber für ihn in Frage kommst. Daher gibt es hier an dieser Stelle direkt den ersten wichtigen Hinweis!

PRAXISTIPP

Achte darauf, deinem Bewerber ein gutes Gefühl zu vermitteln. Sowohl auf fachlicher, als auch auf persönlicher Ebene. Kommuniziere auf Augenhöhe und bereite dich gut auf das Gespräch vor.

#2 Die richtige Vorbereitung

Stelle dir das Jobinterview wie eine mathematische Gleichung mit mehreren Unbekannten vor. Erfolgreich bist du, wenn am Ende alle Variablen bekannt sind. Daher stellt sich zunächst die Frage, welche Unbekannten in deiner Gleichung überhaupt vorkommen und wie du diese Erkenntnis für dein Interview nutzt.
Du kannst die folgenden Fragen und Erklärungen nutzen, um direkt während des Lesens die wichtigsten Leitfragen für dein Gespräch herauszufinden.

1 – Was weißt du bereits über den Bewerber?

Nachdem du dir die Bewerbung angesehen hast, sind die wichtigsten Punkte bekannt. Du kannst daher im Interview viel Zeit sparen, wenn du hier nur auf die wichtigsten Punkte eingehst. Jeden Punkt des Lebenslauf durchzukauen, bringt dich und deinen Bewerber nicht weiter. Konzentriere dich auf die letzten wichtigen beruflichen Stationen im Lebenslauf des Bewerbers. Interessant ist dann zum Beispiel das Studium oder die letzte berufliche Position.

2 – Welche Stellen im Lebenslauf werfen Fragen auf?

Anders sieht es aus, wenn der Lebenslauf nicht schlüssig ist, bestimmt Angaben fehlen oder widersprüchlich sind. Du solltest aktiv nachforschen, um den Grund dafür herauszufinden. Möglicherweise wecken diese Stellen einen negativen Eindruck. Lass dich davon jedoch nicht in die Irre führen! Eine selbstbewusste und schlüssige Erklärung sollte dir mehr wert sein, als ein einzelner „Fehltritt“ im Lebenslauf. Ein Bewerber, der zum Beispiel nach den ersten Monaten erkennt, die falsche Ausbildung begonnen zu haben, beweist Reflexionsfähigkeit und die Begabung, Entscheidungen abzuwägen und entschlossen zu handeln.

3 – Welche Tätigkeiten, Auszeichnungen oder Interessen des Bewerbers wecken Interesse?



Eine Weltreise, ein in frühen Jahren gewonnener Forschungspreis oder die autodidaktisch erworbenen Sprachkenntnisse sagen weit mehr über den Bewerber aus, als es zunächst den Anschein hat: Selbständigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Ehrgeiz, Teamfähigkeit. All diese Fähigkeiten benötigt ein kompetenter Mitarbeiter. Frage daher nach diesen Dingen! Und gib dem Bewerber die Möglichkeit, sich selbst zu präsentieren.

4 – Welchen besonderen Herausforderungen muss der Bewerber im Laufe des Arbeitsverhältnisses Stand halten?

Wird dein Mitarbeiter im Arbeitsleben häufig mit Enttäuschungen umgehen müssen? Muss er besonders stressresistent sein? Sich gut durchsetzen können? Suche dir die drei wichtigsten persönlichen Anforderungen der zu besetzenden Position aus und traue dich, diese Fähigkeiten aktiv zu testen. Mit den richtigen Fragen, gezielt eingesetzter Körperhaltung und Mimik, hohem Frage-Tempo oder Fallbeispielen, wirst du schnell erkennen, ob dein Bewerber diese Fähigkeiten besitzt.

PRAXISTIPP

Bereite dich auf jedes Jobinterview individuell vor – jeder Bewerber ist einzigartig. Verzichte daher besser auf praktische Standardlösungen.

#3 – Systematischer Ablauf

Nachdem du nun einen Gesprächsleitfaden für den offiziellen Teil deines Interviews entwickelt hast, bleibt noch zu überlegen, wie das allgemeine Setting aussieht. 
Wie läuft die Begrüßung ab, woran ist zum Schluss zu denken? Vielleicht möchtest du auch wissen, wo das Gespräch am besten stattfinden sollte und welche wichtigen Rahmenbedingung es gibt?

  • Das Setting
  • Die Begrüßung
  • Das Offizielle
  • Der Abschluss
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Quelle: pixabay | chief22880

Das Setting

Wie du bereits weißt, dient das Jobinterview für den Bewerber auch dem Zweck, sich einen Eindruck von den Arbeitsbedingungen zu verschaffen. Daher sollten zum Beispiel die Lichtverhältnisse, das Raumklima und der persönlichen Umgang miteinander soweit wie möglich dem entsprechen, was der Arbeitnehmer später tatsächlich vorfinden wird. Wer im beruflichen Miteinander grundsätzlich das Du pflegt, was zum Beispiel in Start-Ups nicht unüblich ist, kann dies auch im Jobinterview anbieten. Gib deinem Bewerber die Chance, während des Interviews das Betriebsklima miterleben zu dürfen. So stellst du sicher, dass spätere Enttäuschungen vermieden werden.

Es ist außerdem sinnvoll, das Gespräch mit den wichtigsten entscheidungsbefugten Beteiligten zu führen. Häufig wird vergessen, dass jemand anwesend sein sollte, der die konkret geforderten fachlichen Qualifikationen beurteilen kann. Überlege daher, welche Abteilungen einbezogen werden müssen und wähle mindestens einen weiteren, kompetenten Gesprächspartner aus, der das Jobinterview begleitet.

Die Begrüßung:
Die Prüfung beginnt – auf beiden Seiten!

Empfange den Bewerber pünktlich mit Namen, stelle ihm alle Beteiligten vor und starte mit ein wenig SmallTalk. Hat der Bewerber gut hergefunden? Möchte er etwas trinken? Diese ersten Fragen wirken möglichen Startschwierigkeiten entgegen und bieten beiden Seiten die Gelegenheit, eine erste Einschätzung über den Gegenüber zu fällen. Du solltest zwar darauf achten, wie der Bewerber sich verhält und wie er kommuniziert. Aber vergiss dabei nicht, dass die gleiche Bewertung auch von Seiten des Bewerbs vorgenommen wird!

Körpersprache:

Eine wichtige Aussage trifft jeder Mensch zu jedem Zeitpunkt mit seiner Körpersprache. Aufrechte Körperhaltung, ein fester Händedruck und eine offene Handhaltung signalisieren Offenheit und Selbstbewusstsein. Verschränkt der Bewerb hingegen die Arme vor dem Oberkörper und vermeidet Augenkontakt, erkennst du bereits Unsicherheiten. Das Gleiche gilt natürlich – wie du bereits ahnst – auch für dich!

Kommunikationsverhalten:

„Danke.“, „Ja.“
Wenn dein Bewerber so antwortet, ist dies nicht unbedingt der beste Start. Auch leises Sprechen und viele Füllwörter drücken Unsicherheit aus. Längere Antworten, eigene Fragen, eine ausreichend laute und klare Stimme hingegen sind ein deutliches Zeichen für Selbstsicherheit und Zuversicht.

Du siehst, wieviele Informationen du bereits in den ersten wenigen Minuten erhalten kannst. Mache dir dies vor dem Interview bewusst und achte während des Gesprächs darauf. Anfängliche Unsicherheit ist natürlich absolut verständlich. Viel wichtiger ist, welchen Gesamteindruck der Bewerber dir im Laufe des Gesprächs vermittelt.

Das Offizielle:

Vielfach findet man ein systematisches Ablaufschema, mit den Punkten „Begrüßung-Kennenlernen-Selbstpräsentation-Abschluss“. Dies ist grundsätzlich eine gute Orientierung. Doch eine Kommunikationssituation ist kein statisches Konstrukt, sondern lebt und verändert sich. Daher gilt es, die oben entwickelten Leitfragen zu beantworten, den Bewerber einzuschätzen und alle Unbekannten deiner Gleichung zu lösen. Du solltest daher nicht versuchen, dich stur von einem Punkt zum nächsten Punkt durchzuarbeiten. Diese Vorgehensweise wirkt auch für den Bewerber eher unangenehm und vermittelt ihm möglicherweise den Eindruck, dass deine kommunikativen Kompetenzen ausbaufähig seien.

EXKURS: persönlichen Fragen

– Familienplanung, Krankheiten oder Religionszugehörigkeit –
Du befindest dich hier in einer sehr kritischen Grauzone. In einer entspannten Gesprächsatmosphäre und einem freundlichen Umgang miteinander ist es möglich, dass diese Themen – je nach Branche und Unternehmensgröße – von selbst zur Sprache kommen. Konkret danach fragen solltest du jedoch nicht!

Der Abschluss:

Deine Gleichung ist inzwischen fast gelöst. Doch insbesondere dann, wenn du den offiziellen Teil beendest und der Bewerber sich „in Sicherheit“ wähnt, kannst du noch einige wertvolle Informationen erhalten. Beobachte daher weiterhin gut das verbale und non-verbale Verhalten. Biete dem Bewerber die Möglichkeit, weitere Fragen zu stellen! Ein gut vorbereiteter Kandidat punktet hier in der Regel noch mit mindestens einer aussagekräftigen Frage!

Danach kannst du das Jobinterview offiziell beenden und dich für das Gespräch bedanken. Ein wenig abschließender Small-Talk und die Ankündigung einer zeitnahen Entscheidung runden das perfekte Jobinterview ab.

Sind alle Variablen bekannt? Dann hast du alles richtig gemacht und bist bereit, eine gute Entscheidung zu treffen!