5 Kriterien zur Bewerberauswahl

Im folgenden Beitrag werden wir uns genauer mit der Bewerberauswahl beschäftigen. Du wirst erfahren, wie du anhand der Bewerbungsunterlagen eine erste Einschätzung über die Eignung eines Bewerbers treffen kannst. Unser Fragenkatalog wird dir helfen, eine übersichtliche Checkliste für jeden einzelnen Bewerber zu erstellen.

#1 Auf den ersten Blick

Die wichtigsten formalen Merkmale lassen sich bereits auf den ersten Blick erkennen.

  • Liegt die Bewerbung im richtigen Format vor (Größe des Anhangs, gut lesbares Format, Sortierung der Anlagen)?
  • Sind alle geforderten Unterlagen enthalten (Arbeitszeugnisse, Zeugnis des letzten Schulabschlusses, Arbeitsproben)?
  • Ist die Bewerbung einheitlich und übersichtlich gestaltet?
  • Ist der Lebenslauf stimmig oder gibt es Lücken und häufige Wechsel?
  • Sind Praktika oder anderweitige Erfahrungen gemacht worden?
  • Kann der Bewerber die geforderten Mindestanforderungen erfüllen (Ausbildung, Berufserfahrung)?
  • Stimmen die formalen Kriterien im Anschreiben (Rechtschreibung, Grammatik, aussagekräftige Argumentation, Individualität)?
  • Wurde die Bewerbung explizit für diese Stelle erstellt oder handelt es sich um eine Massenbewerbung?
Checkliste

Anhand dieser ersten Beurteilung kannst du die Bewerbungen in unterschiedliche Kategorien einteilen:

  • Sofort aussortieren
  • einer weiteren Prüfung unterziehen
  • diesen Bewerber auf jeden Fall einladen

Für die Bewerber der zweiten und dritten Kategorie empfehlen wir dir eine Checkliste, in der du die wesentlichen Punkte der Bewerbungsprüfung notierst. Denn so können die vielversprechendsten Kandidaten am Ende gut verglichen werden. Hilfreich ist die Checkliste auch zur Vorbereitung des Bewerbungsgesprächs.

Es ist sinnvoll im obersten Teil der Checkliste eine Zusammenfassung erstellen. Diese sollte folgende Punkte enthalten: den qualifizierende Abschluss, Berufserfahrung, wichtige Stationen im Lebenslauf, relevante Kompetenzen, aber auch kritische Punkte, die in der weiteren Prüfung betrachtet werden müssen, sowie die Kontaktdaten des Bewerbers.
Diese Zusammenfassung gewährleistet, dass du bei einer nachträglichen Betrachtung auf den ersten Blick alle wichtigen Informationen erhältst. Es bietet sich an, die Zusammenfassung während der Prüfung der Unterlagen fortwährend zu ergänzen.

Der Hauptteil der Prüfung sollte sich mit vier weiteren Bereichen befassen: Dem Anschreiben, dem Lebenslauf, den Anlagen, sowie weiteren Merkmalen.

PRAXISTIPP

Erstelle eine Checkliste, die du während der Überprüfung der Bewerbung immer weiter ergänzt. So behältst du einen guten Überblick!

#2 Das Anschreiben

In diesem, meist einseitigem, Schriftstücke hat der Bewerber die Chance, dich von seinen Qualifikationen zu überzeugen. Daher empfehlen wir dir, das Anschreiben besonders gründlich zu prüfen. Dazu gehören zunächst formale Kriterien:

  • Sind alle wichtigen Elemente des Schreibens vorhanden (Kopf, Betreff, Anrede, Datum, Hauptteil, Grußformel, Unterschrift/Name, evtl. Aufbau nach DIN 5008)?
  • Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung
  • Optischer Aufbau des Schreibens
  • Struktur der Argumentation

Beurteile anschließend inhaltliche Kriterien. Dabei können folgende Fragen helfen:

  • Wurde das Anschreiben explizit für diese Stelle geschrieben?
  • Überzeugt der Bewerber durch Individualität und einen kreativen Schreibstil?
  • Verwendet der Bewerber aussagekräftige Beispiele für seine Argumentation oder nutzt er inhaltsleere Standardfloskeln?
  • Geht der Bewerber konkret auf die in der Stellenausschreibung geforderten Qualifikationen ein?
  • Erklärt der Bewerber überzeugend, warum er bestens für die ausgeschriebene Stelle geeignet ist?
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Quelle: pixabay | geralt

#3 Der Lebenslauf

Der Lebenslauf ist ein wichtiger Bestandteil der Bewerbung und soll dir einen Überblick über den bisherigen Werdegang des Bewerbers geben. Auch hier gilt es zunächst, formale Kriterien zu beurteilen. Überprüfe, ob die im Lebenslauf verwendeten Formalitäten mit denen des Anschreibens identisch sind (zum Beispiel hinsichtlich Schriftart, -größe, Seitenränder) und ob alle Kontaktdaten, einschließlich eines Fotos vorhanden sind.

Im nächsten Schritt siehst du dir den allgemeinen Aufbau an.

  • In welche Abschnitte hat der Bewerber den Lebenslauf unterteilt.
  • Sind alle Abschnitte in der gleichen chronologischen Reihenfolge aufgebaut?
  • Besteht eine zeitliche Kontinuität oder fehlen Angaben zu längeren Zeitabschnitten?
  • Bauen unterschiedliche Entwicklungsschritte aufeinander auf?
  • Sollte es Wechsel hinsichtlich der fachlichen/ beruflichen Orientierung geben: Sind diese nach dem Wechsel kontinuierlich durchgeführt worden und bauen aufeinander auf?
  • Ist ein roter Faden in der beruflichen und persönlichen Entwicklung erkennbar?
  • Vermitteln die dargestellten Ausbildungen, Erfahrungen und Zusatzqualifikationen das Bild eines qualifizierten Bewerbers?
  • Gibt es Erfahrungen/ Qualifikationen, die den Bewerber von Mitbewerbern unterscheiden?
  • Gibt der Bewerber die für die Stelle relevanten Stationen im Lebenslauf an, oder finden sich viele unbedeutende Angaben?
  • Sind mögliche Brüche im Lebenslauf erklärt?
  • Geht der Bewerber auch auf persönliche Interessen ein oder lässt sich ein persönliches Profil erkennen?
  • Bleiben Fragen offen?

#4 Die Anlagen

Im dritten Teil der Prüfung ist es sinnvoll sich mit den Anlagen zu beschäftigen. Denn auch hierbei gibt es wichtige Punkte zu beachten.

Überprüfe zunächst, ob alle geforderten Unterlagen vorhanden sind. Das sind in der Regel Schul- oder Ausbildungszeugnisse, Arbeitszeugnisse und je nach Branche oft auch Arbeitsproben. Kontrolliere, ob alle wichtigen Stationen im Lebenslauf belegt sind. Zwischen Lebenslauf und beigelegten Zeugnissen sollten keine Brüche bestehen. Achte kritisch auf nicht vorliegende Arbeitszeugnisse und hinterfrage dies bei einem eventuellen Bewerbungsgespräch.

Sieh dir außerdem den Schreibstils des Bewerbers und versuche zu überprüfen,  ob die Zeugnisse von ihm selbst geschrieben wurden. Ein Vorgehen, das viele Verantwortliche gerne nutzen, um sich die Zeit für das Schreiben von Arbeitszeugnissen zu sparen. Aussagekräftig sind hier daher vor allem Zeugnisse, die offensichtlich nicht vom Bewerber selbst verfasst worden sind. Dabei gilt es, auf sprachliche Feinheiten zu achten. Auch die Kenntnis wichtiger Unterschiede in der Formulierung können aufschlussreich sein: So zeigt sich zum Beispiel zwischen „voller“ und „vollster“ Zufriedenheit, ob ein Bewerber nur gut, oder ausgezeichnet gearbeitet hat.

Zusatzqualifikationen

Neben den konkret geforderten Unterlagen sollten auch Nachweise über relevante Zusatzqualifikationen vorhanden sein. Zum Beispiel Nachweise über die Sprachkompetenzen eines Bewerbers oder zum Beispiel Belege über soziales Engagement. Denn diese lassen meist bedeutende Schlüsse auf die Persönlichkeit eines Bewerbers zu. Dies gilt vor allem für notwendige Soft Skills wie Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Andererseits zeigt sich hier auch die grundsätzliche Motivation eines Bewerbers. Sowohl allgemein geringe Leistungen hinsichtlich der Arbeitszeugnisse und nicht vorhandene Zusatzqualifikationen, als auch übermäßige Leistungen im beruflichen Bereich und übermäßige zusätzliche Aktivitäten sollten kritisch betrachtet werden. Denn insbesondere im letzteren Fall stellt sich die Frage, ob der Bewerber in der Lage ist, berufliche Prioritäten zu setzen.

PRAXISTIPP

Angegebene Referenzen kannst du für das Einholen weiterer Informationen gut nutzen! Greife einfach mal zum Telefon oder wirf einen Blick ins Internet!

#5 Weitere Merkmale

Im letzten Teil der Bewerbungsprüfung können sowohl positive als auch negative Auffälligkeiten betrachtet werden. Eine einzelne kürzere Lücke im Lebenslauf zum Beispiel muss einen Bewerber nicht kategorisch ausschließen. Dennoch ist es sinnvoll hierzu weitere Fragen zu stellen. Größere Auffälligkeiten und gehäuft auftretende offene Fragen oder Fehler sind hingegen eher ein Ausschlusskriterium.

In gleicher Weise sollten positive Eigenschaften berücksichtigt werden: Besondere Auszeichnungen und Fähigkeiten, ein überzeugendes Anschreiben oder eine allgemein ausgezeichnete Profilbildung. Diese Aspekte können ebenfalls gut in einem Bewerbungsgespräch zur Sprache kommen.

Stelle dir hier die Frage: Was unterscheidet diesen Bewerber von Mitbewerbern?

Bewerberauswahl Checkliste:

  1. Beurteile Bewerbungen anhand der Punkte, die du bereits auf den ersten Blick erkennen kannst (Formalitäten, Vollständigkeit, Übersichtlichkeit und Einheitlichkeit, Besonderheiten).
  2. Arbeite mit Kategorien: – sofort aussortieren, – einer weiteren Prüfung unterziehen, – diesen Bewerber auf jeden Fall einladen.
  3. Erstelle für Bewerbungen der zweiten und dritten Kategorie im Laufe der weiteren Prüfung eine Zusammenfassung, so dass du alle wichtigen Informationen auf einen Blick erfassen kannst.
  4. Überprüfe das Anschreiben, den Lebenslauf und die Anlagen gründlich und achte auf eventuelle Auffälligkeiten.
  5. Stelle dir bei jedem Bewerber die Frage, was diesen von den Mitbewerbern unterscheidet – sowohl im positiven, als auch im negativen Sinne.

Zum Schluss

In der Praxis sind bei der Überprüfung von Bewerbungsunterlagen vor allem zwei Dinge wichtig:

  1. Nimm dir ausreichend Zeit für jede Bewerbung und hinterfrage die Angaben kritisch.
  2. Denke daran, dass Bewerbungen mehr sind, als nur eine Sammlung von Fakten. Letztlich sind es die persönlichen Kompetenzen, die einen sehr guten Bewerber von einem guten Bewerber unterscheiden. Dies solltest du berücksichtigen, wenn du entscheidest, wen du zu einem Vorstellungsgespräch einlädst.